Feuerwehr Timmdorf
Feuerwehr Timmdorf

Chronik

Diese Chronik wurde anlässlich unseres 75-jährigen Jubiläum von unserem damaligen fördenden Mitglied Wolfgang Cassel erstellt.

 

Nachfolgend einige Auszüge.

chronikbuchMan schreibt das Jahr 1922. Der Deutsche Reichstag verlängert die Amtszeit von Reichspräsident Friedrich Ebert. Reichsaußenminister Walter Rathenau wird von den Nationalsozialisten ermordet. Der Norweger Fritjof Nansen erhält den Friedensnobelpreis. In der Damenmode kommt der Bubikopf auf. Man tanzt Charleston. Der 1. FC Nürnberg ist amtierender Deutscher Fußballmeister. Paavo Nurmi läuft Weltrekorde am laufenden Band.

550 Jahre nach der Beurkundung der ersten Timmdorfer zählt Timmdorf etwa 240 Einwohner. In der Gastwirtschaft Kasch wird seit drei Jahrzehnten Bier und Kümmel ausgeschenkt. Im Gasthaus am Bahnhof sorgt Wirt Emil Schmidt für das Wohl seiner Gäste. Das Dorf ist seit 28 Jahren Haltepunkt an der Eisenbahnstrecke Lübeck - Kiel. Das Petroleumzeitalter ist gerade vorbei. Seit zwei Jahren brennt in den Häusern elektrisches Licht. 1922. Ein unruhiges Jahr - gekennzeichnet von politischen Wirren und wirtschaftlichen Krisen, Streiks und Geldentwertung. Die erste deutsche Republik gerät immer tiefer in den Strudel der Inflation. Timmdorf liegt am 6. Februar dieses Jahres im tiefsten Winterschlaf, erwacht bei 20 Minusgraden aber urplötzlich: Aus dem Wohnhaus der Bäuerin Else Husfeld, deren Mann im Jahr zuvor verstorben war, züngeln um 15 Uhr Flammen. Frau Husfeld muss einen weiteren schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Ihr Haus ist nicht mehr zu retten. Während das Mobiliar nahezu geborgen wird, verbrennen mit dem Gebäude ein Pferd, sechs Starken und vier Kälber.

Die damals in Timmdorf existierende sogenannte Zwangsfeuerwehr steht dem Inferno machtlos gegenüber. Ihre Brandschutzvorkehrungen sind abenteuerlich. Der Timmdorfer Hauptlehrer Karl Hallmann, der vor 35 Jahren eine Chronik der Ortswehr schrieb, schildert die Situation auf der Grundlage eines Gespräches mit dem damaligen Ehrenmitglied August Koscimski so:

Nur 25 Meter Schlauch

Als man nämlich die Spritze herausholte, die schon wer weiß wie lange in dem kleinen feuchten Spritzenhaus nahe der Hofstelle Littmann gestanden hatte, war nichts, aber auch gar nichts in Ordnung. Die Räder der Spritze drehten sich überhaupt nicht mehr. Sie waren völlig eingerostet. Erst nach langem Mühen bequemten sie sich zum Drehen. Mit größter Mühe konnte man ein Loch in das Eis des Dieksees schlagen. Es waren sage und schreibe nur 25 Meter Schlauch vorhanden. Und: “De Rotten harn grote Löcker in denn Schlauch freeten. Dat Water sprütt överall rut”, wie sich August Koscimski erinnerte.

Die Spritze hatte keinen Ansaugschlauch. Das Wasser musste mit Eimern in die Spritze gegossen werden. Diese gingen in zwei Reihen von Hand zu Hand. An den beiden langen Schwengeln der Spritze standen vier bis sechs Mann und pumpten. Natürlich waren im Spritzen- haus auch Ledereimer zum Eingießen vorhanden. Aber sie waren von den Ratten benagt, einige hatten überhaupt keinen Boden mehr. Und als das Pumpen für kurze Zeit unterbrochen wurde, war das Wasser bei der eisigen Kälte in den Schläuchen eingefroren.

Kurzum: Die Spritze fiel völlig aus. Die Timmdorfer Zwangsfeuerwehrleute mussten so manchen Spott der auswärtigen Wehrmänner über sich ergehen lassen. Gut also, dass die Wehr aus Malente zur Stelle war. Viele Malenter Feuerwehrmänner kamen über das Eis des Dieksees nach Timmdorf."

Soweit Karl Hallmann. Die Spritze war übrigens uralt. Man hatte sie 1852 für 448 Mark angeschafft. Das auf dem Littmannschen Tannenhof errichtete Häuschen für die Spritze kostete 180 Mark. Seinerzeit mussten die Timmdorfer ein Feuerstellengeld entrichten. Grundbesitzer zahlten zwei Silbergroschen, die zur Miete wohnenden Dorfbewohner einen Silbergroschen je Feuerstelle. Das Feuerstellengeld wurde 1877 durch eine Kirchengemeindesteuer abgelöst.

Wer nicht mithalf, wurde bestraft

Weshalb die Timmdorfer ihrer einzigen Feuerspritze so wenig Beachtung schenkten, ist nicht überliefert. Die Nachbardörfer zeigten keinerlei Verständnis für diese Nachlässigkeit, galt doch der Schutz von Hab und Gut vor der vernichtenden Kraft des Feuers schon seit Jahrhunderten zu den elementaren Aufgaben der Gemeinschaft. Brände hatten zumeist existenzbedrohende Folgen für viele Menschen. Deshalb waren schon von alter Zeit her der Brandschutz und im Schadensfall die Hilfe für die Betroffenen von großer allgemeiner Bedeutung. Davon zeugen auch die schon im Spätmittelalter gegründeten Brandgilden.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde hierzulande eine Art staatliche Feuerversicherung eingeführt. Sie bildete die gesetzliche Grundlage für die Pflicht oder Zwangsfeuerwehren. Alle Hausbesitzer eines Dorfes waren verpflichtet, bei einem Brand mit Löschgeräten an die Brandstelle zu eilen und auf Anweisung eines Brandaufsehers das Feuer zu bekämpfen. Wer nicht mithalf, wurde bestraft.

Mit Eimern und anderen Behältern wurde das Wasser aus Brunnen oder natürlichen Gewässern geschöpft, um dann mit mehr oder weniger großem Erfolg die Feuersglut einzudämmen. Diese Nachbarschaftshilfe funktionierte zwar, die Helfer standen dem „Roten Hahn" aber zumeist machtlos gegenüber. So auch 1778 bei der größten Feuersbrunst in der Geschichte Timmdorfs.

Verheerender Brand

Verheerende Folgen hatte das Feuer, das damals auf dem Hof des Hufners Christoph Friedrich Heitmann ausbrach. Das Gebäude brannte innerhalb weniger Stunden bis auf die Grundmauern nieder. Das Löschen von brennenden reetgedeckten Häusern war seinerzeit ein fast aussichtsloses Unterfangen. Selbst gegen Funkenflug war man ziemlich machtlos. So konnten die Helfer nicht verhindern, dass sich das Flammenmeer ausdehnte. Auch die Nachbarhöfe der Bauern Klaus Hinrich Wisser und Hans Joachim Burmeister versanken in Schutt und Asche.Die Brandgeschichte hatte offenbar einen kriminellen Hintergrund. Man munkelte, Brandstifter seien am Werk gewesen. Heitmann war im Dorf nicht beliebt. Die Dorfgemeinschaft wollte ihn loswerden. Heitmann und Wisser bauten neue Gehöfte in der Feldmark wieder auf. Heitmann auf dem Hof Radlandsichten auf dem ihm gehörenden “Timmdorfer Feld”, Wisser den Hof Hafkamp am Nordufer des Dieksees.

Gegründet am 22.2.22

Doch nun wieder ein Blick in das Jahr 1922. Nach dem Fiasko mit der Zwangsfeuerwehr und der Oldtimer-Spritze gibt es in Timmdorf nur eine Meinung: „Wir brauchen eine freiwillige Feuerwehr!" Als Initiator geht der bereits erwähnte Gastwirt Emil Schmidt voran. In seinem Krug treffen sich die erwachsenen Timmdorfer auch am 15. Februar zu einer Gründungsversammlung. 46 Timmdorfer erklären ihren Beitritt, und es wird ein vorläufiger Wehrvorstand gewählt. Das eigentliche, hochamtliche Gründungsdatum ist der 22.2.22 - eine einprägsame Schnapsnummer nicht nur für Skatbrüder. Mit diesem Datum wird die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Timmdorf der Regierung in Eutin und dem Verband der vereinigten Feuerwehren für den Landesteil Lübeck im Freistaat Oldenburg gemeldet. Acht Tage danach findet die erste Mitgliederversammlung statt. Das Protokoll weist die Teilnahme von dreißig Mitgliedern aus. Gewählt werden Gastwirt Emil Schmidt zum Hauptmann (so hieß früher der Chef der Ortswehr), Josef Lingenau zu seinem Stellvertreter, Johann Krützfeldt zum Steigerführer, Arnold Littmann zum Vorsitzenden und Emil Löhndorf zum Schriftführer. Die Kasse übernimmt Gastwirt Schmidt. e_schmidt

Als Jahresbeitrag wird der Wert einer stündigen Arbeit eines landwirtschaftlichen Helfers festgelegt. Jeder Feuerwehrmann muss seine Uniform selbst bezahlen. Für die erste Finanzausstattung der neuen Wehr sorgen Zuwendungen der Landes-Brandkasse, Spenden der Eisenbahndirektion für Hilfeleistungen der Wehr beim Brand zweier mit Heu beladener Güterwagen, eine Beihilfe der Gemeinde, der Erlös aus dem Verkauf der alten Spritze, zinslose Darlehen der größeren Bauern und Stiftungen weiterer Dorfbewohner. Beträge zwischen 20,- und 100,- Mark gewähren - laut Protokoll - H. Burow, H. Woher, O. Woher, H. Lose, O. Burmeister, Josef Lingenau , R. Burmeister, Ferdinand Krützfeldt, Johannes Krützfeldt, Wilhelm Wulf, Wilhelm Kasch, Emil Löhndorf, Arnold Littmann, M. Pester, Emil Schmidt, Mühl, W. Schumacher, Geheimrat Löwe, Konrad Petersen, Andreas Haase, Robert Schwarten, Uthoff, H. Hack, H. Schöning, H. Thiesen, A. Koscimski, Tode, Burghardt, Bossen, Somfleth, C. Petersen, P. Graage, Professor Ladenburg, Jansen (Eutin) Schmidt (Grebin), Schuldt und Wangeis (Hamburg), H. Voß und Otto Detlef. Ältere Timmdorfer werden sich sicherlich noch an diese Namen erinnern

Auch “Passive” tragen Uniform

 

Nach einem 1929 aufgenommenen Foto gehören der Timmdorfer Wehr an: Dietrich Friedrichs, Johann Krützfeldt, Hermann Prehn, Robert Burmeister, Arnold Littmann, Otto Wolter, Emil Kaack, Hugo Schöning, Ernst Burmeister, Willi Steen, Julius Meister, Ernst Mau, Paul robertGraage, Anton Osmalowski, Andreas Haase, Willi Schumacher, Heinrich Loose, Emil Schildknecht, Willi Kasch, August Koscimski, Karl Mau, Hans Burow, Ferdinand Krützfeldt, Fritz Richter, Christian Petersen, Josef Lingenau, Konrad Petersen, Heinrich Steen, Ernst Schumacher und Ernst Prehn.

Auch die passiven Mitglieder tragen Uniform. Ein Timmdorfer, der aus unerfindlichen Gründen gegen die Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr ist, wird dennoch Mitglied, weil man den Widerstrebenden kurzerhand zum Ehrenmitglied ernennt. Anders als die Zwangsfeuerwehr, in der „jeder kommandieren, aber keiner gehorchen wollte und alles in wilder Unordnung herumlief", beeindruckt die Freiwillige Feuerwehr durch ihre straffe Organisation, ihre schnellen und umsichtigen Einsätze sowie ihre bessere Ausrüstung.

1923 schließen sich die Behler Feuerwehrleute mit ihrer Schiebkarrenspritze der Timmdorfer Wehr an, die inzwischen eine Handdruckspritze erworben hat. Diese muss von mindestens acht Männern „bedient" werden. Ihre ersten Meriten verdient sich die neue Ortswehr bei einem großen Feuerwehrfest in Plön. Dazu Karl Hallmann : „Während der Übung brach ein großer Gewitterregen los. Während sich die Männer der anderen Wehren tunlichst schützten und in Deckung gingen, hielt die Timmdorfer Wehr eisern aus. Sie erntete deshalb bei der Beurteilung hohes Lob, während manche ältere Wehr mehr Tadel einstecken mußte.

Blitzschlag und Bomben

Hier nun einige „heiße" Daten aus den ersten Jahrzehnten unserer Feuerwehr: Im September 1922 wird eine Scheune auf dem Hof der Familie Littmann durch einen Blitzschlag eingeäschert. Die Ortswehr kann die bereits brennenden Nebengebäude retten.

Im Mai 1925 feiern die Feuerwehrmänner bis in den frühen Morgen. Sie sind dennoch sofort einsatzbereit, als im Husfeldschen Gehöft ein großer Misthaufen lichterloh brennt.

1926 brennt es auf den Höfen der Familien Schöning und Wisser kurz nacheinander, beide Male nach Blitzeinschlägen.

1929 versinkt das Wochenendhaus des Fabrikanten Johst zwischen Lindenallee und Dieksee in Schutt und Asche. Ursache: Blitzschlag. 1931 vernichtet ein Feuer die Scheune von Willi Schönjahn nahe dem Dieksee. Dort lagern 120 Fuhren Korn. Die Wehr verfügt inzwischen über eine zweirädrige Tragkraftspritze, die von einem Pferdewagen gezogen wird.

1942 brennt der Stall der Schule - Anlass für Hauptlehrer Hallmann, aktives Mitglied der Feuerwehr zu werden.

1943 fallen in Radlandsichten Bomben und zerstören den Hof der Familie Schumacher.

1946 brennt auf Gut Behl die große Scheune nieder.

Diese Daten werden hier nicht nur deshalb genannt, weil sie zur Chronik der Feuerwehr gehören. Feuer haben jederzeit die Menschen bewegt. Mit der Erinnerung an ein Feuer wird meistens zugleich die Verbindung zu anderen wichtigen Ereignissen hergestellt.

40 Mark in der Kasse

Nach dem zweiten Weltkrieg beginnt ein neues Kapitel der Geschichte der Ortswehr. Im Januar 1948 zählt sie 19 Aktive. Es sind dies Paul Graage (Wehrführer), Günter Littmann (Schrift-und Kassenwart), Dominik Frei (Gerätewart), Willi Petersen, Willi Kasch, Willi Reese, Robert Burmeister, Karl Beuttenmüller, Adolf Friedrichs, Kurt Friedrichs, Karl Hallmann, Hans Mau, Ernst Mau, Karl Osmalowski, Karl-Heinz König, Harald Eittmann, Karl-Heinz Radloff und Walter Brandt. Der Kassenbestand der Wehr beträgt 834,00 Reichsmark. Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 verändert sich diese Summe auf 40,00 Deutsche Mark. Im November wird ein Tanzvergnügen gefeiert. Die Ausgaben einschließlich Tanzschein, Musik, Vergnügungssteuer, Saalmiete, Getränke und Gema betragen exakt 136,20 DM.

Zwei Jahre später bringt das Wintervergnügen der Wehr einen Gewinn von 100,00DM.

Am 4. November 1950 wird das Richtfest für das neue Gerätehaus am Trentsee gefeiert. Im Frühjahr 1951 ist es fertiggestellt. Die aktiven Feuerwehrmänner sind gut durchtrainiert: Mit dem Rad fahren sie nach Bosau, um dort an den Wettbewerben des Kreisfeuerwehr- Verbandes teilzunehmen. Am 22. Februar 1962 feiert die Wehr ihr 40jähriges Bestehen. Als Ehrengäste dabei: Malentes Bürgervorsteher Hampel, Kreisbrandmeister Hans Quitzau, Gemeindewehrführer Paul Ruge, Ortsvorsteher Willi Wendt. Im selben Jahr kommt es zu einem Bahndammbrand. Innerhalb von vier Minuten sind 16 aktive Feuerwehrmänner zur Stelle. Für die Alarmierung sorgen noch die Hornisten.

Ein großer Tag in der Geschichte der Timmdorfer Feuerwehr ist der 25. Juni 1965; Sie erhält als erste ländliche Wehr der Gemeinde Malente ein Tragkraftspritzenfahrzeug. Das Übergabezeremoniell wird zu einem Fest für das ganze Dorf.

Es folgen weniger erfreuliche Ereignisse. Am 30. Dezember 1967 - an diesem Tag kommt Stefan Geerdts zur Welt - brennt der Wirtschaftsteil des Bauernhauses von Dr. Heinrich Hahlbrock bis auf die Umfassungsmauern nieder. „Das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehren von Timmdorf und Malente rettet den Wohnungsteil des Hauses. Bei diesem Feuer bewähren sich wieder einmal die Feuerwehrmänner und die Nachbarschaftshilfe. So ist es möglich, daß Hausrat und Mobiliar vollständig geborgen und auch aufgestalltes Jungvieh (29 Stück) aus den brennenden Stallungen befreit werden.

„Die sechsköpfige Familie Buhmann muss den Jahreswechsel in der Schule verbringen", berichtet ein Redakteur. Oberfeuerwehrmann Claus Kasch zeichnet sich durch einen besonders mutigen Einsatz aus. Der Schaden wird auf 100 000 Mark geschätzt. Am 6. Juni 1968 rettet die Timmdorfer Wehr zahlreiche Schweine aus einem brennenden Stall auf dem Hof Hafkamp. Der Stall, drei Trecker, fünf Ferkel, Gerste und Hafer werden ein Raub der Flammen. Schaden: 150 000 Mark.

Großfeuer um Mitternacht

Zum größten Feuer in der jüngeren Geschichte des Dorfes kommt es am 14. Juni 1969. Kurz vor Mitternacht brennt das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Landwirts Paul Ponick lichterloh. Der Feuerschein ist sogar in Heikendorf an der Kieler Förde zu sehen. Der gesamte Viehbestand wird vernichtet. Der Schaden: mehrere 100 000 Mark. Brandfachleute wie Timmdorfer sind sich einig: Wenn die Feuerwehren aus Timmdorf und der Umgebung nicht so schnell zur Stelle gewesen wären und der Wind ungünstig geweht hätte, wäre es wohl zu einer Katastrophe gekommen. Auch benachbarte Wohnhäuser wären in Mitleidenschaft gezogen worden.

Am 25. Januar 1972 brennt der mit Eternit gedeckte Stall des Bauern Wilhelm Seemann in Hafkamp. In einer dramatischen Rettungsaktion bringen die Ortswehren Timmdorf  und Malente 200 Mastschweine und mehr als 30 Ferkel in Sicherheit. Es verbrennen 500 Zentner Stroh, 30 Zentner Schrot und die Stalleinrichtungen. Das Feuer vernichtet Werte von etwa 100 000 Mark. Gut zehn Jahre nach diesem Feuer übergibt Malentes Bürgermeister Manfred Bestmann der Timmdorfer Feuerwehr ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug. Im Februar 1982 feiert die Ortswehr im Landgasthaus Kasch ihr 60jähriges Bestehen. Mit dabei: Gründungsmitglied Robert Burmeister.

In seiner Ansprache sagt Wehrführer Klaus Rosburg: „Wie vor 60 Jahren stehen Bürgerverantwortung, Idealismus, Dienst am Nächsten, Spaß an der Technik und Freude an traditioneller Gesellschaft im Vordergrund unserer Interessen. Unsere umfangreiche Ausbildung und die gute Kameradschaft garantieren die Einfeuer_litm.neusatzfähigkeit. Über mangelnden Nachwuchs haben wir uns bisher nicht beklagen können. Darum lasst uns unseren Kindern Vorbild sein. Wir hoffen, daß sich auch in Zukunft immer wieder junge Leute bereit erklären, unsere Tradition fortzusetzen, feuerlitmann2Menschen in allen Notlagen zu helfen, ohne große Fragen zu stellen."

Nach mehreren kleinen Bränden kommt es am 28. Mai 1993 zum hoffentlich letzten Großfeuer in Timmdorf. Der reetgedeckte Tannenhof von Harald Littmann geht in Flammen auf. Sämtliche Feuerwehren der Gemeinde sind im Einsatz, stehen der etliche Meter hohen Glutglocke aber machtlos gegenüber. Der Tannenhof brennt bis auf die Umfassungsmauern nieder. Die Brandursache ist unbekannt. Schaden: mehrere 100 000 Mark.

Nieges Sprüttenhuus

Das Jahr 1983 hat für die Timmdorfer Feuerwehr „Aufbaucharakter". Wobei dieser Begriff durchaus handwerklich gemeint ist. Die Wehr beginnt in Eigenleistung mit dem Bau ihres neuen Feuerwehrhauses am Trentsee. Dabei geht es so zügig voran, dass die Blauröcke bereits am 20. Mai das Richtfeeinweihungst für den Schulungsraum und am 10. September die Einweihung des Gesamtprojekts feiern können. Die Gemeinde lässt den Garagenteil von einem Bauunternehmen mit einem Kostenaufwand von 120 000 Mark errichten. Für den Bau des Schulungsraumes leisten die Feuerwehrmänner und andere Helfer an 85 Tagen insgesamt 1849 Arbeitsstunden. Die Materialkosten summieren sich auf 15 500 Mark. 5400 Mark werden durch eine Baustein-Spende-Aktion finanziert. Zu den Ehrengästen der Einweihungsfeier gehören Ostholsteins Landrat Dr. Wolfgang Clausenenweihung_landr und Bürgermeister Manfred Bestmann. Das alte Sprüttenhuus dient nun dem Fremdenverkehrs und Verschönerungsverein als Geräte- und Materialhaus. 1986 zeigt die Timmdorfer Ortswehr Vorbildcharakter mit Blick auf die Gleichberechtigung in der Feuerwehr: Als erste der Wehren in der Gemeinde Malente begrüßt sie mit Claudia Rosburg und Sonja Drafehn aktive weibliche Mitglieder in ihren Reihen. Die Vielseitigung der Oclaudia_sonjartswehr in puncto ungewöhnliche menschliche „Hilfeleistungen" ist im Juli 1990 gefragt: Ein Berliner Berufsfeuerwehrmann, der in Timmdorf seinen Urlaub verbringt, möchte mit seiner Braut unbedingt in Malente- Gremsmühlen getraut werden. Er bittet die Timmdorfer Wehr, zwei Trauzeugen zu stellen. Karl Osmalowski und Michael Christmann übernehmen diese ehrenvolle Aufgabe.

Die Freiwillige Feuerwehr Timmdorf erfreut sich seit ihrer Gründung dank ihrer bewährten Doppelfunktion als Retter in Not auf der einen Seite und gesellschaftliches Bindeglied innerhalb der Dorfgemeinschaft andererseits großer Wertschätzung. Zur jüngsten und künftigen Entwicklung der Ortswehr sagt Wehrführer Klaus Rosburg im Jubiläumsjahr: „Seit den 60er Jahren hat sich die Struktur unserer Feuerwehr wesentlich gewandelt. Sie wird nicht nur zur Brandbekämpfung gerufen, sie ist zum 'Mädchen für alles' geworden. Die geradezu sprunghafte Perfektionierung der Alarm-, Fahrzeug- und Löschtechnik und die immer zahlreicheren und vielfältiger werdenden Aufgaben des technischen Hilfsdienstes erfordern auch von unseren Aktiven eine bessere Ausbildung, was wiederum mehr Übungen, mehr Fortbildungskurse und damit zusätzlichen Freizeitverlust bedeutet. Wir wissen, daß wir mit unserem Dienst eine soziale Aufgabe erfüllen. Kameradschaft und Gemeinsinn sind für uns keine leeren Worte. Ich wünsche, dass es auch künftig - getreu unserem Wahlspruch 'Einer für alle, alle für Einen' - so bleiben möge. Wir brauchen künftig verstärkt junge Menschen, die unsere Tradition fortsetzen.

10 Wehrführer in 75 Jahren

 

Emil Schmidt (er amtierte nach der Gründung nur einige Monate)

 

Johann Krützfeldt          1922 - 1925

Otto Burmeister             1925 - 1926

Fritz Richter                   1926 - 1931

Julius Meister                 1931 - 1933

Dr. Heinrich Halbrock     1933 - 1939

Paul Graage                   1939 - 1954

Werner Wessendorf       1954 - 1968

Günter Geerdts              1968 - 1980

Klaus Rosburg               1980 - 1998

Bernd Wulff                    seit 1998

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